Das Wasserschloss Oberau nahe bei Meißen (25 km außerhalb des Dresdner Stadtzentrums) gilt als das älteste Wasserschloss Sachsens und eines der ältesten in ganz Deutschland. Seine Ursprünge liegen in einer mittelalterlichen Wasserburganlage.

An der Stelle, an der man heute das Wasserschloss Oberau findet, wurde 1274 ein Wehrturm errichtet, den man mit einem Wassergraben umgab. Vermutlich ab 1286 wurde dieser Wehrturm in einen umgebaut in einen wehrhaften Wohnturm, wobei bei Beibehaltung der innen liegende Treppe die Wohnräume außen angebaut wurden. 1433 erschienen in der Geschichte des Schlosses erstmals die Herren von Miltitz, einem seit dem 12. Jahrhundert nachweisbaren sächsisch-meißnischen Adelsgeschlecht, deren gleichnamiges Stammhaus in der Ortschaft Miltitz bei Meißen stand und das in einigen Zweigen noch heute besteht. Im erwähnten Jahr kaufte Bernhard von Miltiz einige Dörfer in der Gegend, unter anderem Obir Auwe (das heutige Oberau) mit dem Wehrturm. Bereits 3 Jahre später veräußerte er es an das Zisterzienserkloster Zelle bei Nossen, das heute als Kloster Altzella bekannt ist. 

Im Zuge der Reformation in Sachsen wurden die Klöster aufgelöst und ihre Besitzungen fielen an den Kurfürsten, der sie zum Teil als Lehen weitergab. So geschah es auch mit Oberau, das 1543 durch Kurfürst Moritz von Sachsen an einen Kaspar von Ziegelheim gegeben wurde, der wiederum mit der Umwandlung des Klostergutes zu einem Rittergut begann. Bereits nach wenigen Jahren aber verstarb von Ziegelheim und das Geschlecht der Miltitzer, genauer gesagt Ernst von Miltitz erwarb das Gut und die umliegenden Dörfer. Damit war der Grundstein für die nun beginnende 240jähre Herrschaft der Militzer auf Schloss Oberau gelegt. Zugleich begann eine intensive Bautätigkeit, aus der in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts zahlreiche Um- und Anbauten am Gebäude resultierten. Durch diese Baumaßnahmen wurde das Wasserschloss Oberau erst in ein Renaissanceschloss verwandelt. 

In den 1760er und 1770er Jahren beherbergte beziehungsweise förderte der damalige Schlossbesitzer Ernst Haubold von Miltitz zwei wichtige Geistesgrößen Deutschlands. Zum einen war der Dichter und Moralphilosoph Christian Fürchtegott Gellert in dieser Zeit mehrfahc zu Gast auf dem Wasserschloss Oberau. Wenige Jahre später wurde der damals noch 9jährige spätere Philosoph Johann Gottlieb Fichte von Ernst Haubold von Militz unter dessen Obhut genommen und massiv gefördert. Zum einen lebte Fichte für einige Jahre im Haushalt des Pfarrers Krebel im benachbarten Niederau. Zum anderen unterstützte die Familie von Miltitz finanziell Fichtes Besuch der Fürstenschule Pforta bei Naumburg in den Jahren 1774-1780.

1783 verkauften die Miltitzer das Wasserschloss Oberau, dessen Besitzer von nun an in vergleichsweise kurzen Abständen wechselten. Im Jahre 1817 übernahm Kanzler Ernst Friedrich Karl Amilius Freiherr von Werthern, ein aus einer thrüringischen Uradelsfamilie stammender hoher sächsischer Beamter und Vertrauter des Königs, das Oberauer Rittergut. Später waren nacheinander zwei Berliner Fabrikanten Besitzer des Wasserschlosses, bevor Franziska de Neegaard (eine geborene von Carlowitz, die einen dänischen Adligen geheiratet hatte) 1909-1945 die letzte private Eigentümerin war. Während all dieser Jahre wurde am Wasserschloss Oberau immer wieder gebaut, und insbesondere in der Zeit von 1807 bis 1878 erhielt es seine heute prägende Gestalt. Im Jahr 1860 wurde der Nordostflügel errichtet, den man im Stil den bestehenden Gebäudeteilen anpasste. Das Schloss erhielt dadurch einen winkelförmigen Grundriss und einen neogotischen Treppenturm.

Das Schloss wurde 1937 unter Denkmalschutz gestellt. Nach dem Kriegsende – Franziska de Neegaard wurde, wie damals in der Sowjetischen Besatzungszone üblich, enteignet und das Wasserschloss Oberau fiel an den Staat – wurden zunächst Vertriebene in das Schloss einquartiert. Später wurde das Gebäude auch als Kinderheim genutzt. Die Unterbringung dieser Menschen brachte erhebliche Umbauten bzw. Umgestaltungen von Schloss und Park mit sich. Da der zur Verfügung stehende Platz für den Betrieb eines Kinderheimes eigentlich nicht ausreichte, plante man den Abriss des Schlosses. Da aber Teile des Schlosses nach wie vor durch Umsiedlerfamilien belegt und andere Unterkünfte für diese Familien aufgrund des allgemeinen Wohnraummangels nicht versorgt werden konnte, zögert sich der Abriss immer weiter hinaus, bis er schließlich nach der Wiedervereinigung kein Thema mehr war.  

Im Oktober 1994 wurde das Dach des stark vom Verfall bedrohten Schlosses (die Bausubstanz war, seitdem der Beschluss zum Abriss gefallen war, jahrzehntelang vollkommen vernachlässigt worden) winterfest gemacht. Die Schlosssanierung erhielt 1997 eine Förderung durch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz. 1998 begann man mit der mehrjährigen Sanierung des Schlossdaches. 1999 wurde das Schloss durch den Arbeitskreis Denkmalpflege übernommen. Im Sommer 2000 begann die Sanierung des Schlossteiches. Ein wichtiger weiterer Meilenstein war 2013 das Aufsetzen der neuen Turmhaube.

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Allgemein ist die Gemeinde Niederau, an die nach der Wiedervereinigung das Wasserschloss Oberau fiel, um die Bewahrung und Restaurierung dieses Gebäudes bemüht, soweit es die finanziellen Möglichkeiten zulassen. Zudem hat sich 2012 ein sehr engagierter Förderverein gegründet, der durch seine Akivitäten versucht, die Rekonstrion des Schlosses finanziell und durch Arbeitseinsätze zu unterstützen. Auf seiner Internetseite informiert der Förderverein umfangreich über die Geschgichte und die Baufortschritte: Förderverein Wasserschloss Oberau.