Der Wallpavillon ist nicht nur ein wichtiger Veranstaltungsort für Konzerte, sondern darf auch innerhalb des Ensembles, das der Dresdner Zwinger bildet, als der bedeutendste Pavillon angesehen werden. Bei einem Besuch des Zwingers sollten Sie ihn also unbedingt näher betrachten.
Den Wallpavillon finden Sie im Nordwesten des Dresdner Zwingers (in unserem Lageplan – siehe unteres Ende dieser Seite – mit der Nr. 9 gekennzeichnet). Durch die Treppe in diesem Gebäude können Sie aus dem Zwingerhof hinaufsteigen auf den Gang, der oben auf den Zwingergebäuden entlang läuft.
Wallpavillon: Hofseite im Dresdner Zwinger

Wallpavillon im Dresdner Zwinger

Von dort aus haben Sie dann eine schönen Aussicht auf das gesamte Gebäudeensemble. Auch das unbedingt sehenswerte und an der nordwestlichen Außenseite des Zwingers befindliche Nymphenbad ist so für Sie erreichbar.

Baubeschreibung des Wallpavillon

Etwas salopp ausgedrückt handelt es sich beim Wallpavillon um eine Treppenanlage (die den Hof des Zwingers mit der Kuppe des direkt daneben liegenden Walls verbindet) mit einem aufgesetzten Saal – das Ganze allerdings auf höchstem architektonischen und künstlerischem Niveau. Denn bemerkenswert am Wallpavillon ist insbesondere die Verschmelzung von Architektur und Plastik, die hier noch stärker als beim unweit gelegenen Kronentor ausgeprägt ist. An der Außenseite des Wallpavillons finden sich zahlreiche Plastiken, die in zwei übereinander gelegenen ikonografische Schichten angeordnet sind.

Eine große Zahl von Hermen verkörpern im Erdgeschoss das ungebändigte Naturleben – dies ist zugleich die erste ikonographische Schicht am Wallpavillon.

Hercules Saxonicus: den Wallpavillon im Dresdner Zwinger krönende Plastik von Balthasar Permoser

Hercules Saxonicus am Wallpavillon (Permoser)

Die zweite ikonographische Schicht stellt die Verschmelzung der Welt der griechischen Mythologie mit dem politischen Machtanspruch des sächsischen Kurfürsten August des Starken dar. In der Mitte findet sich Balthasar Permosers Herkules Saxonicus, der hier als August der Starke die Weltenkugel trägt, über dem polnischen-sächsischen Wappen. Hingedeutet wird damit auf die Reichsstatthalterschaft, die August im Jahre 1711 innehatte. Herkules’ Aufgabe, statt Atlas vorübergehend das Himmelsgewölbe zu tragen, wird hier gleichgesetzt mit der zeitweiligen Übernahme des Amtes der Reichsstatthalterschaft. In der Schlusssteinkartusche über dem mittleren Eingang sieht man das Signum A. R. für „Augustus Rex“ („König August“), die Schlusssteine der beiden jeweils nächstliegenden Eingänge enthalten dargestellte Kurschwerter, die von Adlern mit gespreizten Flügeln umgeben sind.
Paul Heermann schuf die zweite wichtige Figurengruppe des Wallpavillons, “Das Urteil des Paris”. Paris steht hier wiederum für August den Starken, diesmal in dessen Jugend, und trägt eine Krone, die hier die Königskrone Polens darstellt. Neben ihm stehen die drei Göttinnen Juno, Venus und Minerva, die ihm diese Krone überreichen zusammen mit ihren Geschenken Macht, Liebe und Weisheit.
Mittelkartusche oben am Wallpavillon im Dresdner Zwinger mit Plastiken von Permoser und Heermann

Mittelkartusche oben am Wallpavillon im Dresdner Zwinger

Von Johann Christian Kirchner stammen die Doppelfigurengruppen der vier Winde. Diese Figurengruppen finden sich jeweils an den Pfeilern der vier Ecken des Wallpavillons. Folgende Allegorien der vier Winde finden sich in den Figurengruppen, wobei die Position jeweils passend zur Himmelsrichtung gewählt wurde:
Der Südwind Notos zusammen mit der Götterbotin Iris.
Der Ostwind Euros mit der Mutter der Winde Eos.
Der Westwind Zephir mit der Blütenbringerin Chloris.
Der Nordwind Boreas mit der von ihm in seine Heimat Thrakien entführten Nymphe Oreithyia.
Sie alle gemeinsam sollen den Ruhm des Herkules Saxonikus in alle Himmelsrichtungen verkünden.

Der Wallpavillon – die Baugeschichte

August der Starke verstand, daß der Bauort des späteren Wallpavillons ein besonders wichtiger Platz im Ensemble des Zwingers war. Entsprechend hat er sich früh in die Bauplanungen eingeschaltet und legte zunächst selbst eine Skizze für eine Kaskade an dieser Stelle vor. Etwas später wurde klar, daß eher eine große Treppenanlage benötigt wird, über die Terrassenebenen erreicht werden könnten. Mit dem 1711 erfolgten Bau der anschließenden Bogengalerien änderten sich allerdings die baulichen Gegebenheiten und somit auch die Anforderungen an ein Bauwerk an dieser Stelle., die die Treppe unmittelbar flankierte. Dadurch konnten nicht mehr alle Terrassenebenen von der Treppe aus erreicht werden. Wohl daher zeigte bereits ein 1712 dem König vorgelegte Entwurf statt der Treppenanlage einen Pavillon.

Vorbilder für den Wallpavillon

Vorbilder für den Wallpavillon sind vor allem in der damaligen Architektur in Wien von Lucas von Hildebrandt zu suchen, insbesondere im Gartenbelvedere des Palais Schönborn mit seiner geschwungenen, zweigeschossigen Fassade, die wie beim Wallpavillon zwischen zwei Galerien eingebaut wurde. Doch auch die Verwandtschaft zum böhmischen Barock sollte nicht unterschätzt werden – das Stift Břevnov von Christoph Dientzenhofer, die Bauten in Kuks und die Fassade der Klosterkirche in Osek mögen als Anregung gedient haben. Das Verdienst des Erbauers der Zwingeranlage, Matthäus Daniel Pöppelmann, ist es jedoch, eine bis dahin unerreichte Verbindung aus Festarchitektur und schmückender Plastik (entworfen und zum großen Teil ausgeführt durch Balthasar Permoser bzw. dessen Werkstatt) geschaffen zu haben.

Vorentwürfe

1713 erfolgten feste Planungen, um die Treppenanlage in der Mitte des damals als Orangerie genutzten Gebäudekomplexes mit einem Pavillonbau zusammenzuführen. Die ersten Entwürfe beinhalteten dabei ein Gebäude mit fünf Achsen. Dabei wurde die Mittelachse in zwei hohen, übereinanderstehenden Bögen ausgeführt. Der untere Bogen ist als Eingang gebaut und reicht fast bis zum Erdboden. An den Seiten befinden sich Treppen, die von den Galerien hinunter führen. Vor dem gerundeten Dach befindet sich ein Giebel. Dieser ist breit und in der Mitte konkav ausgerundet mit einem stumpf endenden Giebel.

Der zweite Entwurf aus dem gleichen Jahr zeigt ebenfalls ein Gebäude mit fünf Achsen, bei dem aber nun sämtliche untere Öffnungen bis zum Sockel hinunter geführt wurden. Dadurch erscheint der Bau besser gegliedert. Die Giebel des zweiten Geschosses sind bewegt, indem sich die Seitenteile aus der Fläche herausdrehen. Der mittlere Giebelteil ist nun deutlich erhöht und trägt erstmals in seiner Mitte zwei Figuren, die ihrerseits dieses Giebel noch einmal erhöhen, wodurch sich ein besserer Mittelabschluss ergab.

Der Entwurf von 1713/1714 beinhaltete nun ein Gebäude mit sieben Achsen. Allerdings setzte sich dies so noch nicht durch, so daß vermutlich 1715 der endgültige Entwurf vorlag, der dann sehr wahrscheinlich ab 1716 umgesetzt wurde.

Errichtung, Zerstörung und Wiederaufbau des Wallpavillons

Der Wallpavillon wurde im Zweiten Weltkrieg durch die Bombardierungen Dresdens im Februar 1945 durch Sprengbomben so schwer beschädigt, daß man von einer nahezu vollständigen Zerstörung sprechen muß.

Unmittelbar danach sicherte eine Gruppe unter der Führung von Dr. Hubert Georg Ermisch, dem Leiter der Zwingerbauhütte in den 1920er und 1930er Jahren, wertvolle und erhaltungsfähige Architekturteile und kartierte die Schäden. Über den in dieser Phase in einem bis dahin ungekannten Ausmaß zu erbringenden Restaurierungs- und Sicherungsaufwand verfasste Ermisch mit Datum vom 17. Juni 1945 eine Denkschrift, in der er die

Zerstörter Wallpavillon nach der Bombardierung Dresdens 1945

Zerstörter Wallpavillon

Frage nach der möglichen Rettung des Zwingers stellte. Diese Schrift hatte große Bedeutung, da es Ermisch gelang, selbst bei der kaum fassbaren Zerstörung im gesamten Dresden tatsächlich Hoffnung einen Wiederaufbau zu wecken, so schwierig dies dann im Detail auch werden mochte.

Die sowjetische Militärverwaltung, die nach Kriegsende das Kommando in Dresden hatte, bewilligte am 18. August die Zuteilung von Bauholz und ermöglichte so vergleichsweise schnell die Sicherung und den Wiederaufbau der Ruinen des Zwingers und somit auch des Wallpavillons. Mit Zustimmung der Sowjets konnte die neugeschaffene Sächsische Landesverwaltung im September 1945 dann die ersten Mittel für den Wiederherstellung des Zwingers freigeben. Kurz darauf wurde die Zwingerbauhütte neu gegründet, wieder unter der Leitung des verdienstvollen Dr. Ermisch. Ihm und seinen Mitarbeitern gelang bis zum Jahr 1954 immerhin drei der Giebel des Wallpavillons zu rekonstruieren.

Zwischen dem Herbst 2014 und dem Jahresende 2017 erfolgte eine erneute Restaurierung des Wallpavillons, wobei man sich schwerpunktmäßig auf die Sandsteinkunstwerke des Balthasar Permoser konzentrierte. So wurde auch Permosers Herkules Saxonicus restauriert. Die Decke im Saal des Pavillons wurde ebenfalls restauriert. Die Kosten der Sanierung summierten sich auf nicht weniger als 4,4 Millionen Euro, die der Freistaat Sachen finanzierte.