Die Vorgängerbauten des Zwingers – Warum heißt der Dresdner Zwinger „Zwinger“?

Die Stelle, an der wir heute den Zwinger Dresden finden, gehörte ursprünglich zu den geschlossenen Festungsanlagen der Stadt, die bereits um 1200 nachweisbar sind, aber aufgrund der Hussitenkriege ab 1427 noch verstärkt und um eine zweite, äußere Mauer ergänzt wurden.

Die so zwischen den beiden Mauern entstandenen Zwischenräume wurden in der Sprache des Festungsbaus „Zwinger“ genannt, weil dort die letzte Gelegenheit bestand, den bereits eingedrungenen Feind zu beZWINGEN.

Das ist also der Grund, warum der Dresdner Zwinger „Zwinger“ heißt: Der Name dieses Teils der Festung Dresden wurde einfach übernommen, als er (im Besitz des Kurfürsten befindlich, nahe dem Schloß gelegen und gärtnerisch gestaltet) gern und häufig für Vergnügungen des Hofstaates genutzt wurde. Entgegen der Annahme vieler Dresdner und ihrer Gäste rührt der Name also nicht etwa von einem Gehege von Hunden oder gar Bären her.

Es war in der damaligen Zeit – also insbesondere in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts und auch noch dem 17. Jahrhundert – üblich, für die seit der Renaissance beliebten großen Festlichkeiten und Spiele des kurfürstlichen Hofes von angesehenen Architekten besondere Gebäude extra für diese Zwecke bauen zu lassen. Beispielsweise taten sich in diesem Bereich Wolf Caspar von Klengel, der den Abschluß des Hausmannsturmes verantwortete, und Johann Georg Starcke, der Erbauer des Palais im Großen Garten, besonders hervor. Die zahlreichen, von ihnen und anderen erbauten Gebäude auf dem heutigen Zwingergelände verschwanden allerdings bis in die ersten beiden Jahrzehnte des 17. Jahrhunderts recht schnell wieder, wurden also jeweils nur wenige Jahre bzw. Jahrzehnte genutzt.

Einen direkten Vorgängerbau hatte der Zwinger Dresden im sogenannten „Colosseum“. Dabei handelte es sich um ein ovales hölzernes Amphitheater, das August der Starke 1697 vor dem Schloß errichten ließ. Anlaß hierfür waren die Feierlichkeiten zu seiner erfolgreichen Wahl auf den polnischen Königsthron (entgegen einer weit verbreiteten Annahme war er zwar Kurfürst von Sachsen, aber nie sächsischer König – seine Königswürde erhielt er nur durch die für Sachsen recht teure Wahl zum König von Polen). 

Der Zwinger Dresden im Jahr 1709

1699 folgte ein weiterer Interimsbau, der für ein Vogelschießen genutzt wurde, ebenfalls die Form eines Amphitheaters hatte und bereits einige Gliederungselemente aufwies, die sich später am Zwinger wiederfinden sollten. Ein dritter Interimsbau, der trotz seiner Holzkonstruktion fünf Jahre Bestand hatte, entstand anläßlich der Festlichkeiten beim Besuch des dänischen Königspaares am Dresdner Hof 1709. Charakteristisch für die Zeit des Barock war, daß das Volk als Darsteller und Zuschauer bei den großen Festen des Hofes ausdrücklich erwünscht war. Dies trug entscheidend zu den großen Teilnehmerzahlen der damaligen Feste bei und auch darum wurden so große Festgelände benötigt. Die Feste des sächsischen Kurfürstenhofes im Barock bezogen oft ganz Dresden ein und machten die Residenz zur Theaterbühne.

Voraussetzungen in Sachsen

Wie konnte sich Sachsen eine solche Prachtentfaltung leisten? Und welche Rolle spielte August der Starke dabei? Zunächst: Sachsen war in der Zeit des Barock das reichste deutsche Land. Alte Industrien, der Bergbau und die zahlreichen im sogenannten augusteischen Zeitalter gegründeten Manufakturen halfen, die Folgen des Dreißigjährigen Krieges schnell zu überwinden und Wohlstand zu erwirtschaften. Zugleich war Sachsen nicht nur auf technischem Gebiet sehr fortschrittlich: Landwirtschaft und Handel blühten, weil die Bauern in der Regel frei waren und sich ein zahlenmäßig großes Bürgertum wirtschaftlich sehr engagierte. Durch dieses Prosperieren wuchs auch die Bevölkerung, vor allem in den Metropolen. So konnten Dresden und Leipzig ihre Einwohnerschaft während der Regierungszeit Augusts des Starken ungefähr verdoppeln. Unter diesen Voraussetzungen nutzen selbst die kurfürstlichen Feste und Bauten dem Land, vor allem aber Dresden. Mit den vielen Fremden, die von der Prachtentfaltung in Dresden angelockt wurden, kam auswärtiges Geld in die Residenz, und die Ausgaben Augusts flossen meist in das regionale Handwerk und förderten es auf diese Weise. Augusts Ziele gingen aber darüber hinaus, und so diente der Zwinger und die in ihm stattfindenden Feste auch der Außendarstellung gegenüber den anderen deutschen und europäischen Herrschern: Hier präsentierte sich der Kurfürst eines reichen Staates, der letztlich sogar Anspruch auf die deutsche Kaiserkrone erhob.

Und hier gibt es dann wiederum Querverbindungen zur Zwingerarchitektur. Diese wurde stark beeinflusst durch den in Wien ab den 1690er Jahren in voller Blüte stehenden sogenannten „Kaiserstil“. Vor allem der dortige Hofarchitekt Johann Bernhard Fischer von Erlach schuf eine eigenständige Synthese aus dem französischen Barockstil und dem italienischen Hochbarock mit dem Ergebnis eines kunsthistorisch herausragenden Architekturstils, dessen Stilmittel Pöppelmann durch einen ausgedehnten Wienbesuch bestens bekannt waren und als Anregung dienten. Charakteristisch für die Schloßbauten dieses deutschen Barocks war die Aufnahme von Elementen aus der sakralen, also der Kirchenarchitektur, und damit auch die Überhöhung der Herrscher zu geradezu olympischen Wesen. All dies findet sich sehr ausgeprägt in der Architektur des Zwingers und vor allem auch in seinem Skulpturenprogramm.

Begonnen hat aber am fraglichen Ort alles unter Kurfürst Moritz (1521-1553) ab dem Jahre 1549 mit einem Garten nach Vorbild des Prager Schloßgartens, der auch „Zwingergarten“ genannt wurde. Dieser Name ging dann später auf den an gleicher Stelle gelegenen festlichen Bau über. Entgegen der auch heute noch gelegentlich zu hörenden Legende gab es dort nie einen Zwinger für wilde Tiere, denn dieser befand sich auf der anderen Elbseite im Jägerhof. Vielmehr ist „Zwinger“ – wie oben bereits erwähnt – ein Begriff aus der Festungsarchitektur, mit dem der Raum zwischen der äußeren und inneren Festungsmauer benannt wird. Im Interesse der Verteidigungsfähigkeit sollte er eigentlich nicht dauerhaft bebaut werden, weshalb sich an dieser Stelle auch die hölzernen (und damit eben nur auf Zeit errichteten) Festbauten anboten. Aber für die Planer großer Feste war der Platz zu verlockend, weil sich hier großzügiger Freiraum bot, der in der sonst von Enge gezeichneten Stadt so kaum zu finden war.

Die Orangen

Zur vorhandenen Gartenanlage kam später die Leidenschaft Augusts des Starken für südländische Gewächse, insbesondere Orangen. Zwar zählt das Elbtal um Dresden zu den warmen Regionen Deutschlands, aber Orangenbäume benötigen hierzulande dennoch Winterhäuser. Zunächst behalf man sich mit hölzernen Bauten, die jeweils im Herbst auf- und im Frühjahr wieder abgebaut wurden. Dieses mühsame Procedere begann man im 17. Jahrhundert durch den Bau massiver Gebäude nur für die Überwinterung der Orangenbäume zu vereinfachen. Vorbild war hier einmal mehr das Frankreich Ludwigs des XIV., in dem solche Gebäude erstmals in großer Zahl angelegt wurden. An der Wende zum 18. Jahrhundert stieg dann die Orangerie zu einem wichtigen Element des Barockschlosses auf und folgte dabei bestimmten architektonischen Vorgaben, wie der zahlreichen Verwendung von Bögen, großer Fensterflächen und allgemein einer reichen Gliederung ihrer Baukörper.

Der Beginn der Bauarbeiten am Zwinger Dresden

1709 gab August der Starke dann sozusagen den Startschuss zum Zwingerbau, indem er Pöppelmann mit dem Bau einer festen Orangerie am Zwingergarten beauftragte und auch die ersten Finanzmittel dafür freigab. Zuvor hatte der Kurfürst (er lebte von 1670 bis 1733 und hieß eigentlich Friedrich August I.) bei seiner Cavalierstour durch Europa von 1687 bis 1689 zahlreiche Eindrücke in den Residenzen anderer Herrscher gesammelt und beschloß, Dresden auf eine Weise neu zu gestalten, daß es Anschluß an die großen Vorbilder der Zeit in Frankreich und Italien findet. Das Interesse an Orangerien war übrigens mit dem Gebäude am Zwingergarten nicht befriedigt, denn wenige Jahre später ließ August der Starke auch im Barockgarten Großsedlitz südöstlich von Dresden eine Orangerie errichten, die nicht weniger als 1250 Orangenbäume beherbergte.

August der Starke - Gemälde von Louis de Silvestre

Vorbilder in den Residenzen Europas

1710 machte Pöppelmann zunächst die oben bereits erwähnte mehrmonatige Studienreise über Prag nach Wien und Rom, um sich von der dortigen Architektur inspirieren zu lassen. Von den auf dieser Weise gewonnenen Eindrücken zehrte Pöppelmann lange und griff auf sie bei seinen zahlreichen Bauten wie beispielsweise dem Taschenberg-Palais, dem Japanischen Palais und natürlich dem Zwinger Dresden zurück. Gerade aus Prag und Wien brachte er die am Zwinger intensiv umgesetzte Idee mit, daß die Plastik als wichtiger Bestandteil der Architektur wirkt.

In der Umgebung Roms wiederum studierte er vor allem die prächtigen Villen der hohen Geistlichen und Adligen mitsamt ihrer Anlagen. Dabei beachtete er vor allem deren reiche Treppenanlagen, Terrassen und insbesondere die Wassertheater, die er dann am Zwinger Dresden als Nymphenbad hinter dem Französischen Pavillon verwirklichte. Dabei fand er vor allem in der Villa Aldobrandini ein hierfür besonders passendes Vorbild. In der Villa Torlonia stieß Pöppelmann dann auf die Vorlage für ein weiteres wichtiges Element des Zwingers, nämlich die Langgalerien. In dieser römischen Villa wird die Mitte durch eine Wasserkaskade gebildet – Pöppelmann ersetzt diese im Zwinger in Dresden durch den Triumphbogen (übrigens ein ebenfalls in der italienischen Baukunst des Barock gern genutztes Element) des Kronentores.

Die erste große Bauphase der Errichtung des Zwingers

Im Spätsommer 1710 war Pöppelmann zurück in Dresden und ließ keine Zeit verstreichen, um die Arbeiten am Zwinger intensiv voranzutreiben. 1711 wurde daher – auch durch die ausdrückliche Unterstützung Augusts, die sich nicht zuletzt in der Verdoppelung des Baubudgets äußerte – das Hauptbaujahr am Zwinger Dresden. In diesem Jahr wurde der (damalige) Mathematische Salon fast fertig gestellt, das Nymphenbad und die Bogengalerien weit vorangetrieben und der Französische Pavillon mit dem Marmorsaal im Obergeschoß geplant.

Letzterer wurde bald nach 1715 und der Mathematische Salon etwas früher fertig gestellt. Der Französische Salon erhielt übrigens seinen Namen aufgrund der französischen Gemälde, die bis 1945 dort zu sehen waren. Auf seiner Rückseite befindet sich das Nymphenbad. Dessen Name ist etwas irreführend, da es kein Bad sondern ein (nicht überdachter) Grottensaal und ein Wassertheater ist, das durch die reichen Plastiken an den Seitenwänden – geschaffen von Permoser und seinen engsten Mitarbeitern – zu einem Nymphäum wird. 

Zwinger Dresden - Nymphenbad

Auch diese Idee brachte Pöppelmann aus Italien mit und erbaute hier in Dresden das größte Nymphäum nördlich der Alpen. Das für den Betrieb dieser Anlage benötigte Wasser wurde in einem Reservoir gespeichert, das man in den nahe gelegenen Turm des zur Stadtbefestigung gehörenden Wilsdruffer Tores einbaute. Als etwa ein Jahrhundert nach dem Bau des Nymphenbades zusammen mit der nicht mehr benötigten Stadtbefestigung auch besagter Turm abgebrochen wurde, konnten die Wasserspiele im Zwinger Dresden nicht mehr weiter betrieben werden. Die Anlage verfiel zur Ruine. Erst 1926 wurde sie wieder rekonstruiert und überstand danach glücklicherweise die Bombardierung 1945 fast unbeschadet.

Die beiden ersten Bogengalerien, angebaut an den Mathematischen Salon und an den Französischen Pavillon, wurden ab 1710 erbaut und zunächst als Orangerie, also zur Überwinterung der Orangenbäume genutzt. Dafür erhielten sie zunächst ein Holzdach, das immer während der warmen Jahreszeit abgenommen wurde. Diese Maßnahme – gedacht, um Luft und Sonne in die Gebäude zu lassen – brachte allerdings mit der Zeit Schäden am Bauwerk. Darum wurde mit der Umwidmung des Zwingers ab dem Jahr 1723 eine feste Bedachung aufgebracht.

Der Bau des Kronentors am Zwinger Dresden

Das Kronentor hingegen war ein etwas heikles Unterfangen, da sein Bau mit einem Aufbruch der äußeren Festungsmauer einherging, um den Durchgang zur Stadt zu ermöglichen. So etwas sahen die hohen Militärs naturgemäß nicht gern. August der Starke aber setzte sich über die geäußerten Bedenken hinweg, ließ jedoch quasi als Kompromiss die an dem Tor über den Wallgraben führende Brücke nicht aus Stein, sondern nur aus Holz ausführen. Im Gegensatz zu einem Massivbau ist so eine hölzerne Konstruktion im Falle aufziehender Gefahr in Form von feindlichen Truppen schnell wieder abgebrochen und so der Wassergraben als Hindernis wieder hergestellt.

Pöppelmann hatte für das Kronentor am Zwinger Dresden zunächst einen ganz anderen oberen Abschluß geplant. Die ersten Entwürfe zeigen eine große Herkules-Statue als Bekrönung des Tores. Stattdessen entschied man sich für die heute zu sehende, berühmt gewordene Ausführung: Auf eine zwiebelförmige, kupferbedeckte Kuppel wurden vier vergoldete Adler gesetzt, die für das polnische Wappentier stehen, und diese wiederum tragen die vergoldete Krone Polens. An dieser Anordnung und der prominenten Platzierung dieser Symbole erkennt man gut die große Bedeutung, die der polnische Thron für August den Starken hatte – er war dadurch mehr als „nur“ einer der deutschen Kurfürsten, sondern er erfuhr eine bedeutende Aufwertung als Herrscher, indem er außerhalb des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation noch die Königswürde erlangt hatte und so zu den Regenten von europäischem Rang zählte. Nebenbei bemerkt hatten die Kurfürsten von Brandenburg ebenfalls diesen Weg beschritten, als sie erfolgreich nach der Königskrone im ursprünglich außerhalb Deutschlands gelegenen Preußen griffen.

Zurück zum Kronentor am Zwinger Dresden. Als dessen Bau 1714 begann, wurde die untere Halle im Grundriß als Achteck ausgeführt. Treppen erschließen rechts und links den Aufgang zu den Langgalerien. In der Mitte der Kuppel ermöglicht ein großes Rundauge einen Blick ins Obergeschoß, das selbst wiederum ursprünglich ein farbiges Deckenfresco aufwies. Durch das Obergeschoß läuft der Umgang, der die Plattformen entlang der Zwingergebäude und die dazwischen liegenden Langgalerien miteinander verbindet. 

Zwinger Dresden - Kronentor und Zwingergraben gesehen von der Ostra-Allee aus

Stilistisch verweist das Kronentor auf den italienischen Hochbarock und steht vor allem in der Tradition der antiken Triumphtore. Die rechts und links an das Kronentor anschließenden Langgalerien setzen mit ihren Bogenfenstern auf der Wassergrabenseite unmittelbar auf die Wallmauer der Festung auf. Auf dieser Seite zeigen die Langgalerien jeweils 18 Fensterbögen, auf der Zwinger-Innenseite hingegen jeweils 15 Fensterbögen. Hier wurde zudem vor jedem zweiten Fensterbogen ein eigener Brunnen gesetzt, wobei die Brunnenbecken miteinander verbunden sind.

Nachdem das Kronentor und die Langgalerien den Zwinger Dresden gegen den Wallgraben abschlossen, fiel die Lücke zwischen den beiden Bogengalerien im Westen der Anlage um so deutlicher auf. Benötigt wurde nun ein Bauwerk, das mit den vorhandenen größeren Gebäuden wie dem Französischen Pavillon oder dem Kronentor korrespondierte und entsprechend groß und repräsentativ sein sollte. Zudem fiel ihm die Aufgabe zu, einen Aufgang zum erhöhten Wall hinter den Bogengalerien zu ermöglichen. Mit dem unter diesen Vorgaben erstellten Bauwerk, dem Wallpavillon, legte Pöppelmann (zusammen mit Permoser) nicht nur den Höhepunkt seines Schaffens vor, sondern schuf zugleich den interessantesten Bau am Zwinger Dresden. Zwar gab es stilistische Vorbilder, die Pöppelmann als Anregung dienten; zu nennen sind hier die Orangerie des Palais Trautson (Fischer von Erlach) sowie das Belvedere des Wiener Palais Schönborn (Lukas von Hildebrandt). Aber Pöppelmann und Permoser kreierten letztlich etwas völlig Neues, weil sie zum ersten Male den bildhauerischen Schmuck am Gebäude so einsetzten, daß er zum Charakter des Wallpavillons entscheidend beiträgt.

Der Zwinger wird komplett

August der Starke traf 1718 die Anordnung, die Orangeriebauten rechts und links des Wallpavillons auf dessen gegenüberliegender Seite spiegelbildlich zu wiederholen und so das Zwingerareal zur Stadt hin abzuschließen. Zudem sollte die noch offene Seite zur Elbe hin (also dem Kronentor mit seinen flankierenden Langgalerien gegenüber) ebenfalls mit Langgalerien und einem Mittelbau in Portalform geschlossen werden. Anlaß für diese Order war die ins Haus stehende Eheschließung von Augusts Sohn mit der Erzherzogin Maria Josepha von Österreich – eine Vermählung von europäischem Rang. Bis zu diesem wichtigen Anlaß war trotz der bei solchen Staatsangelegenheiten üblichen gründlichen Planung nicht mehr viel Zeit. Deshalb beschloß man in einem ersten Schritt die Vollendung all der bereits begonnenen Bauten des Zwingers bis Frühherbst 1719 – dem Datum der Hochzeit – und begann sofort mit den entsprechenden Arbeiten. Die bis 1718 noch nicht einmal begonnenen Bauten konnten zur damaligen Zeit natürlich nicht in der gewünschten Qualität innerhalb nur eines Jahres komplett fertiggestellt werden. Darum wurde (wie bereits in den Jahren, bevor der Zwinger Dresden existierte) die Vermählung vor den fertigen Bauten im Süden und Osten gefeiert, aber ebenso vor prächtigen Holzkulissen im Westen und Norden, die die neuen Grundmauern der dortigen künftigen Gebäude verdeckten.

Dieses etwas überstürzte Bauvorhaben brachte aber immerhin den baulichen Abschluß am Zwinger Dresden auf den Weg. Die Bogengalerien und sowohl der Deutsche Pavillon, wie auch der Naturwissenschaftliche (heute Porzellan-) Pavillon waren tatsächlich Nachbauten des Französischen und des Mathematischen Pavillons bzw. der sie verbindenden Galerien. Schöpferisch tätig hingegen wurde Pöppelmann in seiner Eigenschaft als Architekt noch einmal beim zwischen den Bogengalerien befindlichen Stadtpavillon, der das Gegenstück des gegenüber liegenden Wallpavillons wurde. Genau wie jener bot er im Obergeschoß einen Salon, im Erdgeschoß hingegen einen Durchgang mit Treppenhaus. Mit diesem wurde der Höhenunterschied zwischen dem Zwingerhof einerseits und der zum Schloß bzw. zur Stadt führenden Straße andererseits überwunden. Zugleich bildete das Treppenhaus die Eingänge in die Bogengalerien.

Leider liegen uns heute keine archivalischen Zeugnisse mehr vor, die Auskunft über die Konzeption eines Programmes für all die Plastiken und Bilder geben, mit denen der Zwinger Dresden geschmückt ist und die maßgeblich zum künstlerischen Rang dieses Gebäudeensembles beitragen. Sicher kann man nicht von der Existenz eines geschlossenen Programmes bereits vor dem Baubeginn ausgehen, denn der Bauverlauf des Zwingers ergab sich erst im Laufe der Jahre ab 1709. Andererseits folgte die Ausgestaltung aber durchaus den in der Zeit des Barock gebräuchlichen Mitteln der Allegorie beziehungsweise der Ikonologie.

Die Ikonologie

Ikonologie ist ein poetisches Hilfsmittel, das die Kunst, die Leidenschaften, Tugenden, Laster und alle Zustände des Lebens personifiziert. Bei den zur damaligen Zeit ja eigentlich immer im Auftrag geschaffenen Werken sind der Ort, der Auftraggeber und sein Charakter, sowie seine Neigungen und Absichten zu berücksichtigen. Dieser Grundsatz der Anspielung auf den Auftraggeber, im Zeitalter des Barock ‚Allussion‘ genannt, war bei allen großen repräsentativen Konzepten von entscheidender Bedeutung. So findet man im Schloß von Versailles und in der Galerie Luxembourg einen ständigen Bezug auf die Auftraggeber Ludwig XIV. und Katharina de Medici, ebenso wie man im Zwinger Dresden folgerichtig allerorten auf die ‚Allussion‘, also den Bezug auf August den Starken stößt. Gern wurde dies mit der sogenannten ‚Composition mixte‘ kombiniert, bei der historische Figuren und allegorische Wesen gemischt wurden.

Signifikant für die Zeit des Barock ist auch, daß die weltliche Ikonologie durch den Aufstieg der großen Feudalherren der kirchlichen Ikonologie immer ähnlicher wurde. Die Fürsten ließen sich gern in den großen (Decken-) Gemälden in einer Art darstellen, in der zuvor nur göttliche Wesen gemalt wurden. Dabei zählte August der Starke zu den Herrschern, die dieses Prinzip auf die Spitze trieben. Davon zeugen auch all erhalten gebliebenen Entwürfe und Konzepte für Bauten, die seinen Ruhm mehren sollten, dann aber nicht mehr realisiert wurden. So wollte August eigentlich auf der Neustädter Seite der Elbe, etwa am heutigen Standort des Blockhauses, zwei große Stufenpyramiden bauen, wobei eine der beiden von seinem goldenen Reiterstandbild bekrönt worden wäre – übrig von diesem Plan blieb letztlich nur genau jenes posthum aufgestelltes vergoldete Reiterstandbild, das heute unter dem Namen Goldener Reiter eines der Wahrzeichen Dresden ist. Doch auch der zu Lebzeiten Augusts realisierte Zwinger mit seiner bildnerischen und plastischen Ausgestaltung diente August dem Starken der Demonstration seiner politischen Macht und seiner politischen Ansprüche. Dabei entstand mit dem Zwinger ein Gesamtkunstwerk, zu dem es europaweit nur wenig vergleichbares gibt.

Beispielhaft zu nennen wäre hier die den Wallpavillon bekrönende Statue des „Herkules Saxonicus“. Bei den Habsburgern war die Erhöhung ihrer Herrscher zum Herkules besonders beliebt, und auch August der Starke wollte dem wohl nicht nachstehen und ließ sich hier als sächsischer Herkules darstellen, der die Weltkugel trägt und den gesamten Zwingerkomplex überragt. Die Herkulesdarstellungen als Huldigung für weltliche Herrscher war im Barock eine Wiederaufnahme einer Tradition der antiken römischen Kaiser. Versinnbildlicht wird, daß es Herkules ist, der die Menschen vor Gefahren schützt und von ihren Feinden befreit. So soll er in dieser Statue über dem Zwinger Dresden den Herrscher verkörpern. Bei der sagenhaften Körperkraft Augusts des Starken und seiner Größe lag eine Verbindung zu Herkules natürlich noch einmal besonders nahe.

Die Farbigkeit des Dresdner Zwingers

Die heutige Farbigkeit oder besser gesagt Nichtfarbigkeit des Zwingers ist nicht die originale Fassung aus den Jahren seiner Entstehung. Der Zwinger Dresden zeigt sich gegenwärtig in matten Sandstein-Tönen. Wenn Sandstein frisch gebrochen und verbaut ist, hat er einen warmen und noblen, zurückhaltenden Gelbton, während er unter Witterungseinflüssen und vor allem unter dem Einfluß von Industrieabgasen zu einer Schwarzfärbung neigt. Unsere heutige Neigung, den Sandstein sichtbar zu machen, war in früheren Jahrhunderten unüblich. Stattdessen wurde der Stein als etwas kostbares und schützenswertes erachtet. Darum überzog man vom Mittelalter bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts fast jeden Außenbau mit einer Schutzschicht, also einem Anstrich oder Putz.

Für Dresden legte die Bauordnung von 1718 fest, dass zurückhaltende Farben zu nutzen seien, wobei hell-steinfarben wohl der bevorzugte Ton war. Es liegen leider keine Informationen über die Farbigkeit des Zwingers vor dessen erster großer Restaurierung im Jahr 1783 vor, aber man wird insgesamt von einem hellen Anstrich ausgehen dürfen. Bekannt ist hingegen, daß Pöppelmann die Kupferdächer blau anstreichen ließ, als der Zwinger Dresden entstand. Hinzu kamen die bereits damals vergoldeten Kupferaufbauten auf den Pavillons (polnische Königskrone und Adler), sowie verschiedenfarbige Kiese und Blumenrabatten in den Gartenbereichen, die natürlich auch grünen Rasen enthielten. Grün waren auch die Orangenbäume mit ihren leuchtenden Früchten, gesetzt in große weiße Kübel aus Meißner Porzellan mit farbigem Dekor.

Man kann also von einem viel farbigeren Anblick des Zwingers in den Jahren während und nach seiner Entstehung ausgehen, als in der heutigen Zeit. Das gegenwärtige Aussehen des Zwingers bezieht seine geistige Grundlage aus der im 19. Jahrhundert aufgekommenen Ästhetik, wonach verbauter Stein (und teilweise auch andere Materialien) von sämtlichen Anstrichen und Putzen zu befreien sind, damit man sie unbeeinträchtigt sehen kann.

Der Zwinger wird umgewidmet

Die Hochzeit des sächsischen Prinzen mit der Tochter des österreichischen Kaisers Joseph I. im September 1719 war das große Ziel, auf das beim Bau vieler Elemente des Zwingers Dresden hingearbeitet worden war. Kaum war dieses Großereignis absolviert, fielen die Bemühungen zur Vollendung des Zwingers in sich zusammen. Dies hatte zwei Gründe: Zum einen waren die verfügbaren Mittel zu einem großen Teil erschöpft, und zum anderen liefen nun auch andere Bauprojekte dem Zwinger Dresden den Rang ab. So entstanden in den folgenden Jahren die Schlösser Übigau und Pillnitz, und die bereits existierenden Bauten des Schlosses Moritzburg sowie das Japanische Palais wurden umgebaut.

So wurden nun am Zwinger Dresden eher kleinere Brötchen gebacken. 1722 rissen Arbeiter die hölzernen Tribünen, die bis dahin den Zwingerhof gegen die Elbseite abgeschlossen hatten, ab. Stattdessen wurde eine Mauer errichtet, die – wie so vieles, was eigentlich nur ein kurzes Provisorium sein soll – recht lange, nämlich bis zum Baubeginn der Semper-Galerie in der zweiten Hälfte der 1840er Jahre stehen blieb. Zwar existierten in den 1720er Jahren noch die ambitionierten Erweiterungspläne Pöppelmanns, die eine Fortführung der Bebauung zur Elbe hin (also auf dem heutigen Theaterplatz) vorsahen. Aber aufgrund der anderweitigen Verwendung der Mittel wurden sie nicht realisiert.

Hinzu kam, dass man den Baugrund, der in diesem Bereich aus Elbschwemmsand bestand, vor dem Beginn der eigentlichen Bauarbeiten zunächst aufwändig und kostenintensiv hätte verfestigen müssen – eine erhebliche Hürde. Darum erfolgten in den kommenden zehn Jahren bis zum Tode Augusts des Starken 1732 nur noch kleinere Arbeiten am Stadtpavillon, den diesen einrahmenden Bogengalerien und den sich an diese anschließenden beiden Pavillons, bevor die Bauarbeiten ganz zum Erliegen kamen. Dazu trug auch ein Sinneswandel bei. Liebte der Barock noch die großen rauschenden Feste, bei denen die städtische Bevölkerung anwesend und Teil der Inszenierungen war, so zogen es die höfischen und adligen Festgesellschaften in der Epoche des nun aufkommenden Rokoko vor, sich auf ihre Landschlösser zurückzuziehen und dort abgeschirmt von der großen Öffentlichkeit ihre Feste zu feiern.

Stattdessen wurde für den Zwinger Dresden ein ganz anderer Aspekt der höfischen Repräsentation aufgegriffen. August der Starke forderte schon seit den 1710er Jahren eigene Räumlichkeiten zur Aufbewahrung seiner Kunstsammlungen. Dafür waren zunächst verschiedene Lösungen im Gespräch, bis man 1728 damit begann, die nun (mit Ausnahme des Marmorsaals) kaum noch für Festlichkeiten verwendeten Zwingerbauten entsprechend umzunutzen. Zunächst zogen die naturwissenschaftlichen Objekte und das Kupferstichkabinett hier ein, wofür die Orangerie einige Meter weiter in schnell errichteten Gebäuden im Herzogin-Garten untergebracht wurde. Die vorübergehend auch im Zwinger angesiedelte Bibliothek hingegen zog 1782 auf die andere Elbseite in das dortige Japanische Palais. Die Unterbringung der königlichen Sammlungen im Zwinger Dresden war der Grundstein für seine heutige Bedeutung als Baudenkmal und als Heimat eines Bestandes an Kunstwerken von weltweiter Bedeutung.

Restaurierungen und Erweiterungen

Der Siebenjährige Krieg bis 1763 hinterließ am Zwinger Dresden seine Spuren. Dresden wurde 1759 und 1760 beschossen, wobei Kanonenkugeln auch im Zwinger einschlugen. Gravierender aber waren Beschädigungen, die bis zum Ende des Krieges durch die Zweckentfremdung des Gebäudeensembles als Holzstapelplatz und Magazin durch die preußischen Truppen auftraten. Glücklicherweise waren die eigentlich im Zwinger Dresden beheimateten Kunstschätze auf die uneinnehmbare Festung Königstein in Sicherheit gebracht worden.

Erste Restaurierungen am Zwinger Dresden bereits ab 1783

Nach Endes dieses Krieges waren die sächsischen Staatsfinanzen erst einmal erschöpft, so daß erst 20 Jahre später, also 1783, mit Restaurierungsarbeiten am Zwinger begonnen werden konnte. Dabei erfolgten Wiederherstellungen der beschädigten Skulpturen, aber auch deren Neuanordnung, sowie die Erstellung einiger vollkommen neuer Stücke. Alle in dieser Zeit erfolgten baulichen Veränderungen waren unbedeutend und wurden obendrein bei den Restaurierungen im 20. Jahrhundert wieder rückgängig gemacht.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts erlitt der Zwinger Dresden während der Kämpfe gegen Napoleon erneut Schäden. Zudem wurden in seiner unmittelbaren Umgebung die Festungsbauten abgetragen, die aufgrund der inzwischen eingetretenen Weiterentwicklung in der Waffentechnik und der Kriegsführung vollkommen nutzlos geworden waren.

Der Bau der Sempergalerie als Abschluß des Zwingers

Als der Architekt Gottfried Semper nach Dresden berufen wurde, erarbeitete er bis 1837 seinen sogenannten Forumplan, der quasi in der Nachfolge Pöppelmanns den Raum zwischen dem zur Elbe hin offenen Zwinger und dem Fluß baulich vervollkommnen sollte. Geplant war der Anbau einer Orangerie (die bis zur Oper gereicht hätte) an den Französischen Pavillon und auf der gegenüberliegenden Seite der Anbau einer Gemäldegalerie an den Deutschen Pavillon. Geplant war ebenso die Verlegung der Altstädter Wache Richtung Elbufer, und zwar genau auf die Achse des Kronentores, womit das Forum gegen den Fluß abgeschlossen werden sollte. Zur Elbe sollte dann eine große Freitreppe hinunter führen, so wie man das an den Schlössern Übigau und Pillnitz sowie am Japanischen Palais bereits in augustäischer Zeit ausgeführt hatte.

Leider wurde der Forumplan in seiner Gänze nicht umgesetzt. Stattdessen wurden nur einzelne seiner Bestandteile verwirklicht, so zum Beispiel das Opernhaus (die heutige Semperoper). Darum wurde die Frage, wo künftig die Gemäldegalerie beheimatet werden sollte, auch komplett losgelöst von Sempers Forumplan behandelt. Schließlich entschied sich der Landtag unter den zahlreichen Möglichkeiten für diejenige, die endlich die vierte, immer noch unvollendete Zwingerseite abschloß. Gottfried Semper legte hierfür 1846 mehrere Entwürfe vor, 1847 war Baubeginn und 1848 entschied man sich zur Vergrößerung des Semperschen Entwurfes. Man wählte die heute zu sehende Ausführung mit einer Länge von 127 Metern und einer durchgehenden Höhe von 24 Metern. Das beeinträchtigt zwar optisch die beiden angrenzenden älteren Pavillons, die nun unmittelbar neben sich eine solche große Baumasse haben, war aber der einzige Weg, die umfangreiche Gemäldesammlung in der neu entstandenen Sempergalerie unterzubringen. Das war bei der zunächst geplanten eleganteren und niedrigeren Ausführung, die besser mit den vorhandenen Gebäuden am Zwinger Dresden harmoniert hätte, nicht möglich gewesen wäre.

Zwinger Dresden - Blick über den Innenhof zur Sempergalerie

Übrigens unterscheidet sich die so entstandene Sempergalerie nicht nur durch ihren Architekturstil vom Rest des Zwingers (Gottfried Semper wählte die Formen der Hochrenaissance statt derjenigen des im 19. Jahrhundert gar nicht geschätzten Barocks, in denen Pöppelmann seine Bauwerke errichtete). Auch Ausführung und Stellenwert des plastischen Schmuckes haben bei diesem neueren Gebäudeteil einen anderen Charakter. Im Gegensatz zur Bauphase des Zwingers Dresden in den 1710er Jahren, in der der plastische Schmuck von Anfang an maßgeblicher Teil des Konzeptes war, wurden nun beim Bau von Sempers Galerie die Bildhauer Ernst Hähnel und Ernst Rietschel erst 1849 (und somit zwei Jahre nach Baubeginn) mit dessen Erstellung beauftragt. Damit kann der plastische Schmuck an der vierten Zwingerseite nicht mehr als ein rein dekoratives Element sein, das zur Belebung des Baus dient.

Die zweite Restaurierung 1852-1857

Noch während des Baus der Sempergalerie wurde das Dresdner Stadtzentrum und besonders der neben dem Zwinger gelegene Postplatz zum Schauplatz des Maiaufstandes im Jahr 1849 und der damit verbundenen Kampfhandlungen. Das kleine, damals noch an die Rückseite des Naturwissenschaftlichen Pavillons angebaute Opernhaus (das nichts mit der ersten Semperoper zu tun hatte, die sich ja auch an anderer Stelle befindet) brannte mit diesem völlig ab, und auch der Deutsche Pavillon und der Stadtpavillon wurden arg in Mitleidenschaft gezogen.

Opernhaus und Zwinger beschädigt durch die Kämpfe 1849

Nach einigen Verzögerungen wurden schließlich ab Herbst 1852 die Wiederherstellungsmaßnahmen forciert angegangen. Dabei gingen aber die Bauarbeiten am Zwinger Dresden über ein reines Restaurieren deutlich hinaus. Der mit der Leitung der Arbeiten betraute Landbaumeister Moritz Hähnel gab zum einen der Straßenseite des Stadtpavillons seine heutige Gestalt (die große Freitreppe wurde abgebrochen). Zum anderen versah er den Naturwissenschaftlichen Pavillon und den Deutschen Pavillon an deren Straßenseiten jeweils mit einem Anbau für eine museale Nutzung. Zudem setzte er auch an die gerade fertiggestellte Sempergalerie einen Anbau. Fast gar nichts hingegen unternahm man beim inzwischen schon sehr desolaten Nymphenbad am Zwinger Dresden. Dem romantischen Zeitgeschmack entsprechend sicherte man nur den damaligen Zustand, sorgte also dafür, daß kein weiterer Verfall eintrat. Extra angepflanzte Schlinggewächse sollten dabei den von Zeitgenossen als malerisch empfundenen Eindruck unterstützen.

Die dritte Restaurierungen des Zwingers in den 1880er Jahren und die vierte Restaurierung 1924-1936

In den Jahren ab 1880 war man guten Willens, sorgte aber stattdessen für großen Schaden: Während der dritten Restaurierung überzog man – wie Ende des 19. Jahrhunderts auch an anderer Stelle geschehen – die Steinoberflächen im Nymphenbad und anderswo mit Fluaten, die eine Festigung bringen sollten, tatsächlich aber nach einiger Zeit ein Absprengen der Steinoberflächen bewirkte. Die inzwischen abgebrochenen Teile des plastischen Schmucks wurden aus Zement nachmodelliert und an der Originalsubstanz angebracht. Damit man den Unterschied zwischen den neuen Zementteilen und der Originalsubstanz nicht sofort sah, wurden die Plastiken danach mit Wachsfarbe angestrichen und abschließend alles noch einmal mit einem heißen Leinölfirniß überzogen. All dies war damals Stand der Wissenschaft, aber leider vor seiner Anwendung im Zwinger Dresden nicht langjährig erprobt und wirkte sich daher in den folgenden Jahrzehnten verheerend auf die Originalsubstanz aus.

Nach dem Ersten Weltkrieg begannen bereits 1921 Restaurierungsarbeiten, die aber aufgrund der einsetzenden Inflation bald wieder unterbrochen wurden. 1924 dann gründete man die Dresdner Zwingerbauhütte, um die vierte Restaurierung des Zwingers fachmännisch und konsequent anzugehen. Dem vorangegangen waren hartnäckige Bemühungen des Begründers der kunsthistorischen Barockforschung und der sächsischen Denkmalpflege Cornelius Gurlitt einerseits und andererseits des ersten wissenschaftlichen Erforschers des Dresdner Zwingers, Louis Sponsel, die mit ihrer Arbeit auch den zwischenzeitlich in Verruf geratenen Baustil des Barock rehabilitierten.

Unter der Leitung von Hubert Georg Ermisch ging es vor allem darum, die Fehler aus den 1880er Jahren zu Korrigieren. Es wurden also der aus dieser Zeit stammende Zement und die anderen Fremdsubstanzen, mit denen die Steinoberflächen behandelt wurden, ersetzt bzw. entfernt. Das gilt auch für völlig verwitterten Stein. Leitgedanke war dabei – und dies zum ersten Mal bei Restaurierungen am Zwinger Dresden –, die von Pöppelmann in seinen Entwürfen einst eingebrachten Feinheiten anhand von den Kupferstichen und Bauakten aus der Entstehungszeit des Zwingers wieder herauszuarbeiten und die verfälschenden Fremdkörper zu beseitigen. Besonders wurde dies berücksichtigt bei der Rekonstruktion der Treppen und Brunnen in der Halle des Wallpavillons und bei der endlich durchgeführten Rekonstruktion des inzwischen weit verfallenen Nymphenbades.

Mit diesen in den 1920er und 1930er Jahren durchgeführten Restaurierungsarbeiten waren über 100 Fachkräfte betraut. Bald erreichte man wichtige Erfolge; so konnte 1929 der Mathematisch-Physikalische Salon im Zwinger Dresden wiedereröffnet werden, zehn Jahre später dann die Porzellansammlung.

Der Wiederaufbau des Dresdner Zwingers nach dessen Zerstörung 1945

Die Bombardierung ab dem 13. Februar 1945 führte auch zur Zerstörungen am Zwinger Dresden. Sämtliche Dächer waren abgebrannt und die Gebäude selbst waren ausgebrannt, denn man hatte zwar schon früher die bedeutenden Kunstwerke ausgelagert (z.B. in die Burg Wesenstein), aber es war noch genügend brennbares Material in den Innenräumen verblieben, um den Flammen Nahrung zu geben. Hierdurch wurde der verbaute Sandstein auch dort stark beschädigt, wo er nicht durch direkte Bombentreffer zerstört bzw. wo ganze Gebäudeteile ins Ungleichgewicht gebracht wurden.

Schon sehr kurz nach der Bombardierung versuchte Hubert Georg Ermisch, mit einer Handvoll Mitarbeitern zu retten, was noch zu retten war. Dabei waren ihnen hierfür aufgrund der Wirren nach der Zerstörung der Stadt Dresden und der Ressourcenknappheit der letzten Kriegstage kaum Möglichkeiten gegeben. Hinzu kam noch der Beschluß der Wehrmacht, die Zwingerruine zur Lagerung von Munition und, mit Hilfe von eingebauten Panzerabwehrgeschützen, zur völlig sinnlosen Verteidigung gegen die anrückende Übermacht der Roten Armee zu nutzen. Glücklicherweise brachten diese Maßnahmen keine weiteren Beschädigungen am Zwinger Dresden mehr mit sich.

Man muß der nach Ende des Krieges herrschenden sowjetischen Militäradministration zugute halten, daß sie trotz aller Schwierigkeiten und der katastrophalen Lage im ausgebombten Dresden bereits im August 1945 Baumaterialien zu Sicherung des Zwingers bereitstellte. Endgültig zu dessen Wiederaufbau bekannten sie und die sächsische Landesverwaltung sich bereits einen Monat später mit Befehlen zum Schutz und der Wiedererrichtung von Kulturbauwerken und mit der Bewilligung der ersten Gelder für nun beginnende, jahrelange Rekonstruktion. Glücklicherweise bestanden noch Verbindungen zwischen den erst ein Jahrzehnt zuvor gemeinsam an der damaligen Restaurierung tätigen Fachkräfte, von denen nun einige wieder mit am Zwinger Dresden arbeiten konnten.

Hubert Georg Ermisch
Zerstörter Wallpavillon nach der Bombardierung Dresdens 1945

Ein gutes Beispiel für die Schwierigkeiten und die großen Aufgaben beim Wiederaufbau ist der schwer beschädigte Wallpavillon, wie oben schon beschrieben das zugleich kostbarste Gebäude im Zwinger Dresden. Nach einem Volltreffer durch eine schwere Sprengmine war der große, etwa sieben Meter hohe Mittelgiebel herabgestürzt und zudem auch die sich an den Wallpavillon anschließende Bogengalerie zerstört worden. Dabei war der prächtige und für das Erscheinungsbild des Wallpavillons so wichtige plastische Schmuck in zahllose Einzelteile zersprengt worden. Jedes einzelne dieser kleinen Stücke mußte nun geborgen und mit Hilfe von Fotodokumentationen so auf ein Gerüst montiert werden, daß es am Baukörper wieder seinen originalen Platz einnahm. 

Dies war eine Arbeit, die allein schon Jahre in Anspruch nahm. Die danach immer noch vorhandenen Lücken wurden dann in Gips ergänzt und zusammen mit den aufgrund der Spreng- und Brandeinwirkung nicht mehr verwendbaren Originalteilen (die ja an diesem Gebäudeteil fast alle noch Originale aus der Permoser-Ära waren) aus Sandstein neu gehauen. Wo immer die Originalteile noch verwendbar waren, wurden diese natürlich auch genutzt. 1963 war der Zwinger Dresden äußerlich soweit wieder hergestellt, daß sein Zustand dem vor Kriegsausbruch entsprach. Die Arbeiten im Inneren hingegen dauern bis in unsere Zeit fort (s.u.).

Der Zwinger Dresden seit der Jahrtausendwende

Auch nach der Jahrtausendwende wurde der Zwinger Dresden von einer Katastrophe heimgesucht. Beim Hochwasser der Elbe im August 2002 stieg deren Pegel auf 9,40 Meter an – ein Wert, der üblicherweise nur alle 100 bis 200 Jahre erreicht wird. Ganz wesentlich zu den großen Schäden dieser Flutkatastrophe trug aber auch die Weißeritz bei, ein kleiner Zufluß der Elbe, der in jenen Tagen exorbitant anschwoll und in sein altes Bett zurückkehrte. Dabei überflutete er neben vielen anderen wichtigen Gebäuden der Innenstadt eben auch den Zwinger Dresden, der somit im Überschwemmungsgebiet gleich zweier Flüsse lag. Erst nach einigen Tagen gelang es, den Zwingerhof vollständig leerzupumpen. Danach offenbarten sich die zahlreichen Schäden, die die Flut an der historischen Bausubstanz und an den Gartenanlagen angerichtet hatte.

2012 – 2016 wurde das Kronentor aufwendig und für eine Summe von 650.000 Euro umfassend renoviert.

2013 schließlich begann die umfassende Sanierung der Sempergalerie. Im Rahmen dieser Arbeiten wird zwar die Grundstruktur dieses wichtigen Museumsgebäudes erhalten bleiben, aber gleichzeitig werden auch zahlreiche Verbesserungen im Bereich der Barrierefreiheit, der Fluchtwege und der Besucherführung realisiert. Die Fertigstellung der Sempergalerie ist nach einigen Verzögerungen nun auf das Jahr 2019 angesetzt, wobei große Teile (also der Ostflügel und ein Teil des Westflügels) bereits schon jetzt genutzt werden können, bspw. für die hochkarätige Sonderausstellung „Das Schokoladenmädchen“.

Eine wichtige, bis 1880 bestehende Tradition am Zwinger Dresden wurde 2017 wieder aufgenommen, indem stets über das Sommerhalbjahr hinweg über 70 aus Italien stammende Orangenbäumchen mit einer Größe von bis zu 3,80 Metern in weißen-blauen Kübeln getreu dem historischen Vorbild aufgestellt werden. Die größten sind 3,80 Meter groß. Ihre Pflege wird übrigens privat finanziert, denn für die Orangenbäume konnten aus der Dresdner Bürgerschaft sogenannte Baumpaten gewonnen werden.

Hierfür 2013 kaufte die Staatliche Schlösser, Burgen und Gärten Sachsen gGmbH die aus Italien stammenden Bitterorangenbäumchen (Citrus aurantium) in der Baumschule Ardea, südlich von Rom, an. Im Mai 2014 wurden die Bäumchen in den Barockgarten Großsedlitz, das sächsische „Versailles“ überführt und in der dortigen Orangerie für ihren Umzug in den Zwinger Dresden kultiviert.

Am 19. Mai 2018 war es endlich wieder soweit – mit einem Festumzug und zahlreichen Besuchern wurde die Rückkehr der Orangenbäume in den Zwinger Dresden feierlich begangen. Über 100 kostümierte Darsteller begleiteten diesen Umzug. Seitdem stehen wieder Orangenbäume um die vier Rasenflächen und setzen zu deren Grün mit ihren weiß-blauen Zierkübeln einen reizvollen Kontrast.